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Ohne Worte?

Es scheint mittlerweile eine weit verbreitete  und akzeptierte Methode zu sein, nur noch in halben Sätzen oder gar lediglich einzelnen  Worten zu kommunizieren. Etwas, was mich als einsamen Held des Alltags, im Kampf gegen sinnlose Satz-Verkrüppelung, nicht nur säuerlich drein blicken lässt sondern auch teilweise ziemlich verwirrt.

Da bestellt man sich gut gelaunt einen Kaffee und schaut irritiert aus der Wäsche, wenn die Antwort auf ein höflich vorgetragenes „Guten Tag, einen Cafe Latte Venti bitte!“ schließlich nur noch kurz und knapp „Zum hier?“ lautet. Mal abgesehen von dem wenig freundlichen, leicht pampig und genervt wirkenden Unterton, so hätte man aber doch schon einen ordentlichen, ganzen Satz erwarten dürfen. So mit Subjekt, Objekt und Prädikat. Nein? Schade eigentlich. Zwar „kam“ an der Kasse nicht plötzlich irgendetwas aber einen derart verunstalteten Satz finde ich persönlich nicht nur dämlich sondern auch noch unhöflich.

Zeitdruck? Mangelnde Wertschätzung? Fehlende Intelligenz? Oder einfach nur Faulheit?

Das ließ sich in dieser Situation leider nicht hinreichend erörtern und so verließ ich den Laden mit einem Cafe Latte Venti nebst gehöriger Portion Verwirrung.

Satz-Verkrüppelung zieht sich allerdings durch alle Bereiche des alltäglichen Lebens.

Kurze Zeit später musste ich feststellen, das dies sogar noch zu toppen ist.

In einem dieser fürchterlich jungen, hippen und günstigen Klamotten-Massen-Umschlagsplätzen (will heißen: riesige Boutique mit riesiger Auswahl und kleinen Preisen… beglückte mich die junge, hippe und „günstige“ *hust* Verkäuferin lediglich mit einem an Rinderwahnsinn grenzendem Lächeln – ohne auch nur ein Wort zu sagen.  Ich erwarte keinen wortgewandten Verbal-Virtuosen in einem Laden für billige Stoff-Fetzen, in dem die instabile Papiertüte oft teurer ist als die Sachen, die man kauft aber ein „hallo“ oder  „tschüs“ hätten ja jetzt auch keinen umgebracht…

Mag sein, das die Verkäuferin tatsächlich etwas in der Art gesagt hat, was in der hektischen und lauten Atmosphäre des Ladens untergegangen oder mir im Rahmen der akuten Reizüberflutung, die mich jedesmal im Moment des Betretens ereilt, schlichtweg entfallen ist – allerdings hätte sie sich dann der Technik der Telepathie bedienen müssen, Lippenbewegungen konnte ich definitiv nicht wahrnehmen. Vielleicht ein mords Bauchredner-Talent?!

Offensichtlich kommen alle Menschen, die ein paar Jahre jünger sind als ich, glänzend ohne große Worte zurecht, scheinen nichts zu vermissen und setzen auch keine großen Erwartungen in ihren Gesprächspartner. Liegt vielleicht an mir. Weil ich in meinem Alltag auf eine ordentliche Ausdrucksweise angewiesen bin. Vielleicht ist das auch einfach gerade fürchterlich hipp?

In einer dieser Szene-Kneipen im angesagtesten Viertel der Stadt gehört das anscheinend zum guten Ton. Gut, entschuldigend muss man dazu sagen, das es da meist sehr laut und stressig zu geht und ordentliche Satzbildung nicht unbedingt das erste ist, was man da erwartet. Die Leute kommen rein, wollen Alkohol und das möglichst flott und in Mengen und ansonsten ihre Ruhe. Da wird weniger Wert auf vorzügliche Konversation gelegt als auf raffinierte Cocktails mit komischen Namen. Und trotzdem irritiert es mich, wenn ich an der Bar mit einem lautstarken „Wat?!“ begrüßt werde. Oder mir eine gestresste Kellnerin zu vorgerückter Stunde unvermittelt ein „Trinken?!“ ins Ohr brüllt. Ob sie nun das leere Glas wahrgenommen hat und nur zuvorkommend ihre Arbeit machen wollte oder ob sie mein zu diesem Zeitpunkt betröppeltes Gesicht dazu annimiert hat, mir weitere alkoholische Getränke anzubieten, konnte ich nicht zufriedenstellend analysieren. Was wollte sie mir denn damit sagen?  „Saufen hilft!“ ?! In diesem Kontext stellt sich die Frage, ob dieses einzelne, in die Gegend geplärrte Wort nun als Frage, ob ich noch etwas trinken möchte interpretiert werden soll oder als lautstarke Aufforderung zum trinken…

Ob es nun an der schnelllebigen Zeit liegt, die einen dazu zwingt, ohne Umschweife diret zum Punkt zu kommen oder an mangelndem Können, sich ordentlich auszudrücken, diese Kommunikationstechnik lässt ziemlich viel Raum für wilde Interpretationen. Kann man denn so einfach erwarten, das der Gegenüber schon wissen wird, was gemeint ist, wenn man den Großteil des Satzes einfach weglässt? Wenn mich so geringfügige Dinge schon verwirren, was bedeutet das dann für kompliziertere Sachverhalte? Die Gefahr für Mißverständnisse scheint mir da sehr groß zu sein und das Leben ist verdammt noch mal schon kompliziert genug! Wer hat denn da noch den Nerv, sämtliche Aussagen seiner Mitmenschen zu dechiffrieren?!

Und gerade, wenn man sich damit abgefunden hat, das man mit seinen wortlastigen, verschnörkelten und verbal ausgeschmückten Sätzen wahrscheinlich einfach „old school“ ist…

… reicht einem eine 22jährige zum Abschied die Hand mit den Worten: „Hat mich sehr gefreut.“

????????

Arroganz? Gut erzogen? Fan von altbackenen aber edel wirkenden Phrasen? Ernst gemeinte Wertschätzung oder doch nur eine leere, gedankenlos daher gesagte Floskel ohne weitere Bedeutung?

Vielleicht ist die Dechiffrierung ganzer, ordentlich gebildeter Sätze doch schwieriger und komplizierter als die Analyse einzelner Worte…

 

~edm~

10.2.13 15:30
 


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